In meinem Hochbett wächst in diesem Jahr roter Eichenlaub-Salat, Teufelsohrsalat, Kanarische Zunge, Rapunzel-Salat und auch Goldforelle. Dass sind alles Salate aus altem Saatgut.

Ich liebe alte Salat Sorten und bin immer auf der Suche nach neuen Sorten. Die Vielfalt ist groß und jedes Jahr fällt die Entscheidung, was ausgesät wird, schwer. Durch Zufall bin ich in meinem Stadtteil auf eine Dame gestoßen, die einen wunderbaren Garten hat und in dem baut sie ausschließlich altes Gemüse und Blumensorten an. Die gewonnene Saat verkauft sie an Hobbygärtner. Und somit habe ich jedes Jahr eine unwahrscheinliche Vielfalt und Auswahl für meine Beete. Nicht immer wird alles etwas, aber wenn es was wird, ist es ganz toll und es sind wirklich viele Sorten dabei, die hab ich vorher noch nie selbst gehört und bin dadurch jedes Mal aufs Neue begeistert.

Das Bild zeigt Salat in einem Beet.
Alte Sorte – Goldene Forelle Salat

Was sind alte Saatsorten

Richtig gesagt, geht es um samenfestes Saatgut. D.h. diese Saatgut kannst du selbst vermehren. Zum Beispiel bei Blumen. Sind sie verblüht, lässt du die Blüte stehen und wartest bis sich eine Samenkapsel gebildet hat. Zur Reife hast du dann samenfestes Saatgut. Das Saatgut erntest du an einem trockenen Tag. Die Pflanze wird die Eigenschaften der Mutterpflanze haben. Samenfestes Saatgut ist jedoch leider anfälliger für Schädlinge und Krankheiten wie z.B. Mehltau.

Irgendwann hat der Mensch stärkere und ertragreichere Pflanzen gewollt und hat angefangen Pflanzen zu kreuzen. Dadurch kam es zu einer Genveränderung der Pflanzen, die Sortenvielfalt nahm kontinuierlich ab und im Zuge dessen kam es zu einer Sortenverarmung. Es wurden zwar neue Sorten gezüchtet, jedoch wurden die alten Sorten nicht weiter genutzt. Und somit gibt es viele Sorten heute einfach nicht mehr. Daher der Name „Alte Sorte“.

Das Bild zeigt ein Beet. In dem Beet sind Zwiebeln, Kapuzinerkresse, Salat und Möhren angebaut.
Mehr Vielfalt im Beet durch alte Sorten

Ist die Hybrid F1 Pflanze schlecht für dein Beet

Nein, natürlich nicht. Ursprünglich wurden Hybrid F1 für die Landwirtschaft gezogen. Schöne große, immer gleich aussehende Früchte, resistent gegen die bekannten Pflanzenkrankheiten. Nach der Ernte ist die Pflanze dann nicht mehr zu gebrauchen und erzeugt auch keine Saat (kann so gezüchtet werden) bzw. sofern Saat gebildet wird, sollte sie nicht benutzt werden.

Das Bild zeigt eine Kürbisspflanze mit mehreren Früchten und im Vordergrund des Bildes eine Blüte der Kapuzinerkresse in gelb.
Hybrid F1 – Ertragreich ernten

Wie entsteht Hybrid F1 Saatgut

Im ersten Schritt wird eine Pflanze mindestens 10 x mit sich selbst gekreuzt. Daraus entsteht eine reinerbige Inzuchtlinie. Hier werden dann nur die gesündesten und stärksten Pflanzen genommen.

Die Pflanzen werden dann mit einer anderen, reinerbigen Pflanze gekreuzt und daraus entsteht die Hybrid F1 Pflanze bzw. das F1 Saatgut.

Bei der Kreuzung der beiden Pflanzen kommt es auf deren guten Eigenschaften an. Bildet die eine Pflanze große Früchte aus, ist die andere Pflanze widerstandsfähig gegen Mehltau. Beides in einer Pflanze vereint, bringt mehr Ertrag.

Die 1 steht übrigens für die erste Generation. Nun hat das F1 Saatgut alle guten Eigenschaften in sich vereint. Nur eins geht damit nicht: Es kann kein Saatgut gewonnen werden. Jedes Jahr muss neue Saat gekauft werden.

Das Bild zeigt eine runde, gelbe Zucchini auf einem Holztisch.
Zucchini Ernte Hybrid F1 „Floridor“

Warum es kein Hybrid F2 Saatgut gibt

Zu Beginn meiner gärtnerischen Tätigkeit wusste ich nichts über F1 Saatgut bzw. wusste nicht, dass ich welches benutze (auch wenn es auf der Packung stand). Ich hatte die Pflanze abblühen lassen und auf die Saat gewartet. Im nächsten Frühling brachte ich die Saat aus und wunderte mich über teilweise mutierte, anders aussehende Pflanzen. Was war geschehen? Das F2 Saatgut ist nicht reinerbig, d.h. alle guten Eigenschaften der F1 Saatgut tritt hier nicht mehr auf. Die Eigenschaften wie große, gleiche Früchte oder Krankheitsresistenz, schneller Wachstum usw. tritt nur bei vereinzelten Pflanzen und nicht mehr bei allen Pflanzen auf. Es findet einer genetischen Aufspaltung statt und das Saatgut ist nicht zu gebrauchen. Der Einkauf von neuem Saatgut ist erforderlich.

Das Bild zeigt Kornblume und Kukumerkraut. Auch als Borretsch bekannt.
Bienenfutter „Kornblume“ und „Kukumerkraut“

Teufelszeug F1 Saatgut

Würde ich nicht sagen. Ich benutze auch F1 Saatgut z.B. bei meiner Zucchini oder auch bei Möhren. Mit Möhren stehe ich übrigens seit Jahren auf Kriegsfuß. Möhren aus Saat, egal ob lose Saat oder Saatband, sind zickig und werden nichts bei mir. Falls du einen guten Tipp hast, wie ich Möhren gut kultivieren kann, bitte schreibe es mir gerne in das Kommentar 😊

F1 Saatgut macht vieles leichter und einfacher. Die Keimfähigkeit ist hoch, die Pflanzen sind pflegeleicht und ein guter Ertrag ist fast immer garantiert. Aber: Zu 98% findest du in meinem Garten alte Sorten. In meinem Gewächshaus finden diese Saison Tomaten mit wohlklingenden Namen wie z.B. „Mao Cap“ „Lollipop“ „Schneewittchen“ „Abraham Lincoln“ „Peaches“ oder „Fuzzy Wuzzy“ ein zu Hause.

Das Bild zeigt ein Tomatengewächshaus mit verschiedenen Tomatenpflanzen und Petersielen- und Basilikum-Töpfen.
Alte Tomaten-Sorten „Mao Cap“ und „Lollipop“

Alte Sorten oder Hybrid F1

Samenfestes Saatgut bekommst du leider nicht im Gartencenter oder im Baumarkt. Aber vielleicht hast du in deiner Nachbarschaft auch eine:n begeisterte:n Hobbygärtner:in, in dessen Garten alte Sortenschätze schlummern 🙂 

Ein klitzekleiner Nachteil bleibt: Alte Sorten sollten in der Saatgutgewinnung ebenfalls rein sein. Also keine Fremdbestäubung. Natürlich weiß ich nicht, ob die Sorten rein sind oder doch durch die Bestäubung etwas gekreuzt wurde. Mich stört es nicht, falls es so ist.

Es gibt Anbieter für Bio-Saatgut in Demeter Qualität. Da bist du dann auf der sicheren Seite. Bio-Saatgut ist nicht unbedingt günstig, aber du kannst dir hieraus später dein eigenes Saatgut gewinnen. Einen Anbieter für Bio-Saatgut findest du hier.

F1 Saatgut ist heute nicht mehr ausschließlich für die Landwirtschaft vorgesehen, sondern schon lange im Baumarkt/Gartencenter für Jedermann erhältlich. Wenn du wissen willst, was für ein Saatgut in der Tüte ist: Es ist auf der Packung entweder vorne oder hinten aufgedruckt.

Das Bild zeigt einen Ausschnitt von einem Hochbeet. Das Hochbeet ist mit Zwiebeln, rote Beete und Kapuzinerkresse bepflanzt.
Rote Beete und Zwiebeln im Hochbeet

Nichts für Insekten

Allerdings bleibt bei F1 Saatgut der Teller für unsere wichtige Insektenwelt zumeist leer. Gerade bei den Blumen fällt es auf. Auf das Optimum gezüchtet (Größe, mehrfacher Blütenflor, Verzweigung, lange Blühdauer usw.) bleibt immer häufiger eins auf der Strecke: Nektar und Pollen. Meine Lieblingsblume: Die Sonnenblume 🌻 Sonnenblumen ohne Nektar und Pollen. Sieht nach Blume aus, ist aber keine „richtige“ Blume. Zumindest was ich unter Blume verstehe. Hummel & Co. gehen leer aus. Nicht gut. 

 

Das Bild zeigt eine große, verzweigte Sonnenblume.
Alte Sorte Sonnenblume „Saratowskie“ – Pollen im Überfluss

Vielfalt und Ertrag in deinem Beet

Schau was du mit alten Sorten machen kannst, welche Vielfalt du in deinen Garten, Balkon oder Terrasse bringen kannst. Genuss, Freude bei der Aussaat und für die fleißigen Helfer den Tisch reichlich gedeckt. Und wenn dann mal ein Tütchen F1 Saatgut dabei ist, passt es doch gut.

Und wenn du gleich noch etwas für dich tun möchtest, dann verbinde deine gärtnerische Tätigkeit mit Stressreduzierung in meinem Onlinekurs „Flower Power für deinen Alltag“.